>Rezension< Lockwood & Co. - Die raunende Maske

Infos zum Buch


Originaltitel: Lockwood & Co. - The Hollow Boy

Autor: Jonathan Stroud

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

Verlag: cbj (19. Oktober 2015)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3570159639

ISBN-13: 978-3570159637

Zielgruppe: Leser ab 12 Jahren

Preis: 18,99 €

Inhalt

In einem Stadtteil von London hausen seit kurzer Zeit unerbittliche Heimsuchungen, die sich beinahe täglich vermehren. Die größten und bekanntesten Agenturen arbeiten bereits an diesem sonderbaren Fall und kommen keinen Schritt weiter, im Gegenteil. Als sich schließlich die BEBÜP doch dazu durchringt, die kleine aber sehr erfolgreiche Agentur um Lockwood hinzu zu ziehen, ist es für einige Agenten bereits zu spät, sie mussten den Einsatz mit ihrem Leben bezahlen. Unterdessen kämpft vor allem Lucy mit der neuen Situation in der Agentur und ihrer stetig stärker werdenden Fähigkeit. Als sie hauptsächlich durch Georges Nachforschungen auf die Quelle der unerklärlichen Heimsuchungen stoßen, begeben sich Lockwood & Co. mit der Unterstützung von Quill Kipps' Team aus der erfolgreichen Agentur Fittes, auf ein lebensgefährliches Abenteuer.  

Meine Ansicht


Der Schreibstil von Jonathan Stroud ist schlichtweg sehr unterhaltsam. Er vermag es die Dinge ausführlich und bildhaft zu beschreiben, ohne das Ganze ins kleinste Atom aufzuspalten. Es macht alles extrem anschaulich und die Schauplätze erwachen zum Leben. Nicht selten habe ich mich direkt in den aktuellen Räumen der Heimsuchung stehen sehen und eine schaurige Gänsehaut überkam mich. Hinzu kommt der tolle Humor, der sich in nahezu jeder Faser der Geschichte verbirgt, sowohl die Protagonisten, als auch die „Besucher“ konnten mich damit restlos begeistern.

Die Geschichte war im Gegensatz zum Vorgängerband wieder absolut einnehmend. Kein einziger Spannungsabfall und jede Menge tolle und sehr gruselige Geschehnisse. Neben der Haupthandlung empfand ich diesmal sogar jeden Kleinstauftrag absolut spannend und angsteinflößend. Dies lag vor allem auch an der Protagonistin Lucy, die mit ihren Fähigkeiten so langsam über sich und auch die Agentur hinauswächst, dies jedoch nicht immer im positiven Sinne. So viele extrem heikle Situationen wie in diesem Band gab es noch in keinem. Ich war absolut begeistert, wie der Autor es immer wieder geschafft hat, dass Tor zur Totenwelt zu öffnen und wenn es nur einen winzigen Spalt war und damit jede noch so eintönige Atmosphäre in ein schauriges, beinahe erschreckendes Ereignis umzuwandeln. Die Hintergrundarbeit, die zumeist George erledigte tat sein übriges. Es war faszinierend zu sehen, wie es zu derartigen Heimsuchungen kam, was die Geister antreibt und bewegt. Ein Blick in die Vergangenheit, der oft grauenvolle und schauderhafte Taten hervorbringt. Wahnsinnig gut gelungen empfand ich diesmal erneut den Prozess bis sich die Heimsuchungen manifestierten. Der kribbelige Beginn, der mir stets eine Gänsehaut verschaffte bis es schließlich oft im absoluten Chaos endete und dann in eine grausige Totenstille mündete. Das Ungewisse, was aus den ersten Empfindungen der Agenten hervorbricht um bald schon in schockierende Erkenntnis umzuschwingen war fast immer die treibende Kraft der unglaublichen Spannung. Da man aus Sicht von Lucy liest, die ihre Empfindungen und Gedanken beinahe analytisch mit dem Leser teilt, konnte man meist schon recht früh erahnen um welche Kategorie von Geist es sich handelt und wohin die Situation die Agenten führen wird. Die verschiedensten „Besucher“ mit allen Eigenschaften, über die man in einem extra Glossar am Ende alles genauer nachlesen kann, werden im gesamten Verlauf der Handlung atemberaubend gut beschrieben und dargestellt. Ich hatte auch diesmal nicht das Gefühl, dass die Aufträge, die den Alltag der Agentur bestimmen nur Füllwerk waren. Im Gegenteil, sie gehörten vor allem im Hinblick auf die Entwicklung der Protagonisten unabdingbar dazu. Der große Showdown, der sich die gesamte Zeit ankündigte, hat mich schließlich fast umgehauen. Mir erging es wie den Agenten, man wurde von den übernatürlichen Erscheinungen geradezu von der Bildfläche gefegt. Es war gigantisch – absolut spannend, wahnsinnig gruselig, erschreckend, angsteinflößend, emotional und gespickt voller unvorhersehbarer Wendungen. Auch der Nachgeschmack der bleibt, vor allem in Hinblick auf Lucys Erlebnisse macht sehr viel Lust auf mehr. Ich war begeistert von dieser unglaublichen Vielseitigkeit der Geschichte und auch Zwischenmenschlich wurde einem als Leser wieder einiges geboten.

Die Personen haben sich verändert. Man kann von Band zu Band sehen wie das Erfahrungslevel steigt und die Gemeinschaft um Lockwood und Co. zusammen wächst. Lucy steuert in eine schwierige Richtung. Sie ist mit Abstand die begabteste „Geisterjägerin“ und wird zunehmend unerschrockener, was nicht immer positiv ist. Sie versucht ihre Fähigkeit auszubauen und geht dabei beinahe über Leichen. Sie macht ein paar Alleingänge zu viel und kapselt sich von den anderen ab. Dies hat allerdings auch einen anderen Grund als nur ihre Fähigkeit auszubauen. Auch wenn sie sich zeitweise wie ein bockiger Teenager aufführte, mochte ich sie sehr gern. Die bisher beständigste Person gerät also ein wenig aus der Fassung und bringt so wieder Schwung in die zwischenmenschliche Ebene. Lockwood wendet sich auch aus unerfindlichen Gründen von ihr ab beziehungsweise versteckt sich vor ihr und damit auch vor seiner Vergangenheit. Er stürzt sich in Arbeit und nur selten schimmern die Dinge durch, die sich am Ende von Band 2 angekündigt hatten. Was wirklich schade ist. Auch die Aufträge werden aufgrund des Zeitmangels oft getrennt erledigt. Lockwood behält seine unnahbare Art bei und ist zu anderen Agenturen sowie der BEBÜP recht überheblich und auch arrogant. Bei George habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass er ein wirklich aktives Teammitglied ist. Seine scharfsinnigen Nachforschungen sind sehr präsent dargestellt und diesmal absolut unabdingbar zur Aufklärung der Fälle. Er wirkt nicht mehr ganz so trottelig und wird zunehmend schlagfertiger. Auch der Schlagabtausch mit Lucy und Lockwood war wieder sehr viel mehr vorhanden. Ebenso ein neues Teammitglied – Holly – sorgte bald schon für großen Wirbel, aber das solltet ihr lieber selbst herausfinden.  

Fazit

Der dritte Band von Lockwood & Co. konnte mich wieder restlos überzeugen. Inmitten einer tollen Haupthandlung gab es weitere sehr gruselige und spannende Ereignisse. Der humorvolle und detaillierte Schreibstil des Autors setzten dem ganzen ein kleines Krönchen auf, denn auch zwischenmenschlich war wieder einiges los in Lockwoods Agentur. Fans von schaurigen Geistergeschichten, denen es trotzdem nicht an Witz mangelt, kommen hier voll auf ihre Kosten.  

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Bewertung



Schreibstil
Personen
Geschichte
Emotionen    
Originalität

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