>Off-Topic< Ice Bucket Challenge - Welcher Typ bist du?

Heute widme ich mich mal einer Sache, die wohl jeder mittlerweile kennt. Es hat rein gar nichts mit Büchern zu tun, deshalb drängle ich meinem Blog einfach mal ein „Off -Topic“ auf (OT).

Die „Ice Bucket Challenge“

In den letzten Tagen (oder Wochen!?) habe auch ich unzählige Videos gesehen in denen sich sämtliche Leute den nun „berühmten Eiskübel“ über den Kopf kippen. Anfangs (vor allem durch die mehr oder auch weniger bekannten Promis) fühlte ich mich gut unterhalten, erkundigte mich über die Herkunft der Challenge, da mir ALS von Berufswegen her bereits bekannt war und sah auch so manches kreatives Video. Ich würde auch nicht behaupten, dass es mich jetzt nervt, aber es haben sich für mich deutliche „Typen“ entwickelt. Damit ist gemeint, wie die Leute diese Challenge jeweils aufnehmen, ausführen und weitergeben. Weil ich es recht interessant finde, lasse ich euch einfach mal an meinen Gedanken teilhaben.

Welcher Typ bist du?

Typ 1 -„Der Normalo“: 
Dieser Typ kippt sich zeitnah nach Nominierung ohne wenn und aber den Kübel über den Kopf und nominiert brav 3 weitere Personen. Hier erfolgt in den meisten Fällen der Hinweis auf den guten Zweck und eventuell, dass trotz Eiswasser gespendet wird.

Typ 2 - „Der Kreative“: 
Diesen finde ich persönlich am Lustigsten. Auch hier wird ausdrücklich auf den guten Zweck hingewiesen, auch oft explizit ein Spendenaufruf eingebunden inkl. Internetadresse und Co. Bereits an Schnitt und "Kameraführung" erkennt man hier oft, dass durchaus Arbeit dahintersteckt. Kurze Filmchen, andere Arten des „Eis-über-den-Kopf-schüttens“, lustige Verkleidungen, „Eimerhalterungskonstruktionen“, Kipptechniken uvm. Bei diesen Videos ist der Unterhaltungswert natürlich groß und konnte mir nicht selten ein Lachen entlocken. Auch die „Moral“ am Ende fand ich in den meisten Fällen einfach total gelungen.

Typ 3 - „Der Aufklärer“: 
Zu Anfang wird erklärt, was die „ice bucket challenge“ ist, wahlweise sogar wie sie entstanden ist, anschließend folgen mehrere Erklärungen über die Krankheit ALS, deren Folgen uvm. Schließlich wird mit einem Seufzen meistens das eiskalte Wasser doch über den Kopf geschüttet, um mit atemloser Stimme die Wichtigkeit der Spende zu unterstreichen und die Nominierungen bekannt zu geben. Einige verzichten auch darauf, da man ja entweder spendet ODER sich mit Eiswasser begießt (bzw. der absoluten Korrektheit halber: Eiswasser + 10 Dollar oder 100 Dollar ohne Eiswasser).

Typ 4 - „Der Wichtigtuer“: 
Auch ein äußerst „witziger“ Typ. Das Video beginnt, alles sieht normal aus, Wasser steht bereits bereit (Den „Fehler“ erkennt man jedoch schon, da die meisten im Wohnbereich sitzen.). Auch hier wird aufklärerische Arbeit vom feinsten geleistet, doch diesmal bleibt der Mensch stumm, stattdessen werden frisch gedruckte Zettel mit vielen Informationen hochgehalten, zur Challenge, zu ALS, zum Spendenkonto uvm. Wahlweise wird das „Eiswasserkippen“ angedeutet und dann mit strafender Gestik „unterbrochen“. Mit oft unverkennbar überheblicher Mimik wird den bisherigen Eiswasserköpfen ein schlechtes Gewissen gemacht, es wird die Sinnlosigkeit hervorgehoben (nur nebenher) und diese Person traut sich nun ENDLICH mal die Wahrheit auszusprechen, um was es hier WIRKLICH geht, denn das scheinen ja alle vergessen zu haben. Es gleicht einem bitterlichen Wehklagen ohne das gesprochene Wort. Hier wird auch EXLIZIT erwähnt, dass gespendet wurde, wahlweise sogar mit Betrag. Auf weitere Nominierungen wird selbstverständlich verzichtet.

Typ 5 - „Der Moralapostel“: 
Mein persönlicher "Liebling", da ich selbst gern einer bin. Auch hier wird gern zur Zettelvariante (aus Typ 4) gegriffen, jedoch nicht immer. Es wird sich auf gar keinen Fall Wasser über den Kopf geschüttet, stattdessen wird auf die verdurstenden und verhungernden Kinder/Menschen dieser Welt hingewiesen. Jeder Tropfen Trinkwasser ist kostbar und sollte nicht wegen einer solchen Sache verschwendet werden. An dieser Stelle wird gern mit Bildern gearbeitet, die die Missstände der Welt zeigen. In diesen Videos wird man schlussendlich aufgerufen doch lieber an die Welthungerhilfe oder sämtliche andere Stiftungen etc., die es so gibt, zu spenden. Man sollte mit dieser Person dem guten Beispiel voran gehen. Es finden sogar Nominierungen statt, um das statuierte Exempel in die Welt hinaus zu brüllen und Nachfolger zu finden, die ebenso eine „trockene Challenge“ vollführen und an die wirklich wichtigen Stiftungen spenden.

Typ 6 - „Der Moralapostel 2.0“:
Hierbei wird nicht nur auf die immense Wasserverschwendung hingewiesen, sondern ebenso auf die derzeitige Lage in sämtlichen Kriegsgebieten. Wie kann man sich aber auch zu einer solchen Sinnlosigkeit hinreisen lassen? Okay, es geht um den guten Zweck, aber mal ehrlich, DAS was da gerade in der Welt abgeht, ist ja wohl VIEL wichtiger. Dagegen sollte man vorgehen, an diese Menschen sollte man denken und sich nicht im wahnwitzigen Anfall von Spaß einen Eimer mit Eis über die Rübe kippen. Die Vorgehensweise gleicht ansonsten Typ 5.

Typ 7 - „Der Spielverderber“:
Diese Exemplare mag ich auch sehr, weil sie einfach unfassbar putzig sind. Hier gibt es natürlich keine Videos, diesen Typen findet man in den Kommentaren unter den Videos inkl. Nominierung. Manche wettern wie kleine Rohrspatzen, manche sprechen sich ausdrücklich dagegen aus und manche schreiben einfach ein simples und aussagekräftiges „Nö!“ oder „Ohne mich!“. An dieser Stelle wird auch gern erwähnt, dass man nie bei derartigen Dingen mitmacht.

Typ 8 - „Der Failer“: (eigene Wortschöpfung – ich meine sowas wie „Der Scheiterer“ xD) 
Zugeben...ich liebe ihn, denn ich bin wahnsinnig schadenfroh und freue mich über jeden Fail, den ich zu Gesicht bekomme. Erst gestern habe ich einen Zusammenschnitt von „Icebuckfails“ angeschaut und bin fast abgebrochen vor lachen. Der Witz an der Sache ist ja, dass man diese Videos theoretisch nicht online stellen muss. Dass die Leute es doch tun und wenn es „nur“ in den Outtakes ist, finde ich einfach cool. Ein bisschen Spaß darf ja ruhig dabei sein, auch wenn es um eine ernste Sache geht.

Typ 9 - „Der Dussel/ Der Mitläufer“:
Ich habe mal bewusst einen nicht gar so negativ bewerteten Begriff verwendet, weil dieser Typ doch recht selten ist. Meist weiß der Betreffende überhaupt nicht um was es geht, dreht einfach ein Video in dem er ihm Aufgetragenes erledigt und stammelt sonderbare meist falsche Informationen über die Challenge daher. Im Endeffekt wird oft (nicht immer!) klar, dass er dem „Kumpel“ sonst einen Kasten Bier schuldet, wenn er sich das Zeug nicht drüber schüttet. Meist sind aber in dieser Kategorie auch diejenigen vertreten, die einfach mitmachen und sich nicht informieren. Nach dem Motto: „Sei es drum, jeder weiß ja um was es geht.“ Hierzu würde natürlich noch ein Typ gehören, doch dazu fällt mir einfach nichts ein. ;)

Typ 10 - „Der Tierschützer“:
Besser spät als nie, aber ihn gibt es. Immer! Nun da die Challenge schätzungsweise beinahe weltweit bekannt sein dürfte, betritt dieser Typ die Bildfläche. Immer wenn es um medizinische Studien und Forschung geht oder sämtliche weitere die Tiere betreffende Dinge, schaltet sich früher oder später ein Tierschutzverein ein. Mit einem aufrührerischen, meist anklagendem Artikel erreicht er schnell seine Zielgruppe (Typ 10), die augenblicklich mit schreckgeweiteten Augen sämtliche Informationen im Netz verbreiten und so die Unsicherheit und vor allem auch das schlechte Gewissen in diesem Falle der Eiswasserköpfe schürt. Wer spendet schon gern für gequälte Tiere?

Ich könnte jetzt noch einige Untergruppen und Mischtypen „erzeugen“ und dennoch ändert es nichts an den Tatsachen.
In meinen Ausführungen erkennt man wahrscheinlich schon recht deutlich meine Meinung, dennoch möchte ich noch kurz etwas dazu sagen. Unumstritten sind es Tatsachen, die viele Menschen hier ins „Gefecht“ werfen. 
Natürlich sterben Menschen täglich, weil sie kein Wasser (oder Essen) haben. Hört deshalb jetzt jeder Mensch auf mit Trinkwasser zu duschen, die Toilettenspülung zu betätigen, seine Blumen zu wässern? Bei mangelndem Niederschlag vielleicht sogar den Rasen zu bewässern, Pools zu füllen usw.? Das Argument Wasserverschwendung ist in meinen Augen aus dem schlechten Gewissen geboren und damit wird an den falschen Stellen angesetzt. Nur wegen dieser Challenge sterben deshalb nicht mehr oder weniger Menschen. 

Aufklärungsarbeit zur Krankheit und Aufrufe zum Spenden sind auch schön und gut, am Ende darf aber doch bitte noch jeder selbst entscheiden für wen oder was er spendet. Auch wenn man sich nur das Eiswasser über den Kopf schüttet, ist man deshalb nicht schlechter. Es gibt Unmengen Dinge, die man tun kann. Wie wenige Menschen sind z.B. bei der DKMS angemeldet, spenden Blut oder haben einen Organspendeausweis?! Wie viele Menschen haben bisher überhaupt für irgendetwas gespendet? An dieser Stelle könnte ich jetzt noch Romane verfassen, aber das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.

Auf dieser Welt gibt es so viele Missstände!! Wie richtig erkannt wurde.

Ändert es aber etwas daran, wenn man sämtliche Dinge in die vermeintlich richtige Richtung verteufelt? Es ist in dieser Hinsicht wieder vollkommen egal, wie man handelt, irgendwer hat immer etwas zu meckern. 
Es findet sich IMMER etwas Negatives.
Du bist der Depp, wenn du spendest, weil du damit Tierversuche unterstützt. 
Du bist der verschwenderische Vollpfosten, wenn du dir das eiskalte Wasser über den Kopf kippst, weil wegen dir Leute verdursten, außerdem wirst du vielleicht krank und verschwendest damit das Geld der Krankenkassen, welches weit kränkere Menschen bräuchten. 
Wenn du gar nicht mit machst, bist du ein ignorantes Arschloch und zu geizig zum Spenden 
usw...

Das ist auch auf andere Bereiche dehnbar:
Spendet man für die Hungerhilfe oder Ähnliches wird irgendwann unterstellt, dass die Spenden eh nicht ankommen.
Spendet man für Kinderheime/ Kinder in Not, wird auch angeblich die eine Hälfte in die eigene Tasche der Vereine/Stiftungen gewirtschaftet.
Spendet man für medizinische Forschungen wird es scheinbar (wie hier) für sinnlose Tierversuche zum Fenster hinausgeworfen.
Spendet man für mittellose Menschen/ Obdachlose, sind sie doch eigentlich selbst Schuld an ihrer Lage und versaufen das Geld eh nur.
Spendet man für Asylantenheime, ist man ein Depp, weil man als Steuerzahler schon genug tut, außerdem wissen die das sowieso nicht zu schätzen.
(Alles Dinge, die ich bereits als Argumente gehört habe.)

Diese Liste ist beliebig erweiterbar. Egal für was man spendet, ob es das Ziel erreicht weiß man sowieso nicht, aber allein der Gedanke es könnte Jemandem helfen, sollte meiner Meinung nach Antrieb sein.

Uns Menschen fehlt es anscheinend im Grunde unseres Herzen nach wie vor an Toleranz und Akzeptanz. Leben und leben lassen! Jeder sollte für sich das Richtige tun und auch die Entscheidungen so treffen, wie er damit leben kann. Das andere Menschen das anders handhaben sollte man schlicht und ergreifend einfach hinnehmen. Jeder Mensch ist in seinem Denken anders, doch im Grunde sind wir alle gleich.


Ich nehme mich selbstverständlich da nicht aus (Das muss ich dazu schreiben, obwohl es selbstverständlich ist, sonst steht man schnell im Kreuzfeuer.), denn wie man sieht bringe ich auch nicht viel Akzeptanz für einige der oben genannten „Typen“ auf und auch im Alltag fällt es mir oft schwer die Meinungen der anderen einfach zu akzeptieren und die Menschen (und ihr Handeln) so wie es eben ist zu tolerieren.

Alles hier Geschriebene ist meine eigene Meinung und beruht auf meinen Erfahrungen rund um diese Challenge!! Es muss sich also niemand verurteilt fühlen, denn das war nicht Sinn und Zweck der Sache. :)

Liebste Grüße
Becci

PS: Ich wurde zum Glück noch nicht nominiert, aber falls es euch interessiert wäre ich wohl entweder Typ 7 -  der Spielverderber oder Typ 8 - der Scheiterer, da mir meistens seltsame Dinge passieren, im Grund wäre ich dann jedoch gern der Normalo. xD

Wer das jetzt alles wirklich gelesen hat, hat eine Dusche á la Goldmarie verdient. :P

Kommentare:

  1. Toller Post!
    Ich bin wohl "Der Normalo"! xD

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  2. Gott, der Post ja mega witzig! xDD Ich wäre wohl auch ein Normalo :D

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  3. Hahaha ... *hust* :D! Da erkennt man sich doch glatt wieder.
    Zuerst war ich begeistert von der Idee, hielt es für eine gute Sache (also Typ 3)... aber dann habe ich weitergelesen und mich mal über die Spendenannehmer informiert... tjaaaaa. Damit wurde ich zu Typ 10. Ich glaube, dass die Leute einfach nicht wissen, dass die damit Tierversuche unterstützen. Die Idee ist natürlich immer noch sehr toll, auch die Beweggründe, aber was mit dem Geld dann tatsächlich geschieht *grumml* ...

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  4. Ich habe erst relativ spät davon erfahren, wofür die Challenge wirklich ist, weil die ersten Videos nur den Eimer und die Nominierung, sonst Bierkasten oder so, beinhaltet haben. Erst als ich mitbekommen habe, dass es die Celibrities auch machen, ist mir mal aufgegangen, wofür das sein soll.

    Einerseits ist es etwas traurig, dass es erst so einen Medienrummel geben muss, damit Menschen mal etwas Gutes tun, andererseits passiert so wenigstens etwas.

    Für die kreativen Videos kann ich nur die Challenge der Foo Fighters empfehlen, die eine Carrieszene nachspielen ;)

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  5. Toller Artikel!
    Du hast die verschiedenen Typen wirklich toll erkannt und sehr gut wiedergegeben. :)

    Ich verstehe insbesondere Typ Nr 10 nicht.. ich bin selbst ein absoluter Tierfreund, aber eben auch Biologe mit medizinsichem Hintergrund... Ohne Tierversuche gibt es (noch) keine Medikamente, so traurig und sinnlos das leider klingt und hier Leuten vorzuwerfen, sie würden Tierversuche unterstützen, weil sie für die Aufklärung einer Krankheit spenden, finde ich sehr engstirnig gedacht. :( Dann ist jede Anti-Aids-Gala und was es noch alles für Aktionen gibt, um auf Krankheiten aufmerksam zu machen, absolut nicht hinehmbar für Gruppe Nr. 10...

    An Gruppe 5&6 kann ich nur sagen: Ihr müsst ja nicht mitmachen! Lasst es einfach, spendet wofür ihr wollt, es ist toll, dass ihr das tut! Denkt euch eine eigene Idee aus, mit der ihr so viele Menschen erreicht und seid nicht neidisch, weil jemand Ice-Bucket- Idee für diesen Zweck hatte...

    Liebe Grüße,

    Claudi

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  6. Haha ich bin wohl der Typ Tierschützer! Ich würde nie für ALS spenden, weil ich mich zuallererst über die Forschungsmethoden informiert habe... und ich spende allgemein nur für Tiere, sorry!

    Ich finde die Challenge unterhaltsam und prinzipiell gut, aber mehr auch nicht. Der Vorteil: so ziemlich jeder weiß nun was ALS ist... ich wusste es auch nur weil ich Stephen Hawking ziemlich bewundernswert finde und schon die ein oder andere Doku über ihn gesehen habe.

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