>Rezension< Vollendet von Neal Shusterman

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Originaltitel: Unwind

Autor: Neal Shusterman

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten

Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (1. August 2012)

Sprache: Deutsch

ISBN-10:0 3737361665

ISBN-13: 978-3737361668

Zielgruppe: Leser zwischen 14 und 17 Jahren


Preis: 16,99 €

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Mein schlagendes Herz, was nicht mir gehört.
Ich atme Luft durch eine fremde Lunge.
Das grüne Gras berühre ich mit den Fingern eines Anderen.
Ich sehe die Schönheit der Welt durch braune Augen, die früher einmal blau waren.

Es wird nicht mehr geheilt, sondern ausgetauscht.
In dieser Welt wird alles Kranke durch ein gesundes kräftiges Teil ersetzt.
In dieser Welt können Eltern ihre Kinder im Alter von 13. - 18. Jahren „umwandeln“ lassen.
Jeder Teil der „Wandler“ lebt weiter, nur in einem anderen Organismus.
Die Organspende hat eine neue Dimension erreicht.
Ein Menschenleben ist gleichermaßen alles und nichts wert....
...es kommt nur auf die Position an...
...Spender oder Empfänger...
...Umgewandelt oder Geheilt...


...Flucht...
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Vollendet lag eine gefühlte Ewigkeit auf meinen SuB und wurde nun endlich erlöst. Es war eine wahrlich gute Entscheidung, denn dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht bewegt.

Der Schreibstil ist recht kurzweilig und durch die oft wechselnde Perspektive bringt dies sofort eine gewisse Spannung mit sich. Von Anfang an gibt der Autor ein Tempo vor, was die jeweilige Situation der Protagonisten nicht nur hervorragend trägt, sondern auch untermalt. Die ganze Atmosphäre ist von der ersten Sekunde an anders, fordernd, voller Spannung und immer wieder wird man von seinen eigenen Gedanken über Moral, das Richtig und das Falsch eingeholt. Der Autor vermag es diese Dinge zu vereinen, indem er nachdenkliche Minuten einbaut, ohne die kontinuierliche Spannung zu verlieren.

Die Geschichte ist sehr originell und dennoch musste ich oft über Sinn und Unsinn nachdenken. Im Grunde dreht sich alles um ein sehr wichtiges Thema, auch in unserer jetzigen Zeit – Organspende. In der von Neal Shusterman erdachten Welt geht alles jedoch einen Schritt weiter, indem er ein weiteres Streitthema hinzu bringt – Abtreibung oder vielmehr die Frage nach dem Wert eines Lebens in den verschiedenen Stadien des menschlichen Daseins. Er bringt beides auf eine Ebene, die mir augenblicklich eine Gänsehaut einbrachte. Allein die Vorstellung, dass man ein Menschenleben, das Leben seines eigenen Kindes, sozusagen rückwirkend auslöscht, um jeden Teil des Körpers schließlich weiterzuverwenden. Ein Kind oder in vielen Fällen das eigene Fleisch und Blut freizugeben, weil es in seiner Entwicklung gerade in einer schwierigen Phase steckt oder weil niemand jemals da war, um es zu lieben oder für sein Wohlergehen zu sorgen. Eine absolut gruselige Vorstellung. Schon auf den ersten Seiten wurde mir fast ein wenig übel. Man liest, wie bereits erwähnt, aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven, hauptsächlich jedoch aus drei – Connor, Risa und Lev. Hierbei greift der Autor auf etwas zurück, was in diesem Fall augenblicklich für ein wahnsinnig hohes Spannungslevel sorgte. Jeder der drei Protagonisten ist am Anfang auf der Flucht, jeder auf eine völlig andere Weise. Er lässt einen als Leser einen kurzem Einblick in das jeweilige Leben und beginnt somit jede Menge Handlungsstränge, die sich nach und nach wie von selbst zusammenfügen. Es geht alles immer sehr brenzlich vonstatten und ich hatte das Gefühl einer unglaublichen Verfolgungsjagd beizuwohnen. Im Mittelteil schafft der Autor immer wieder Raum für eigene Gedanken, lässt viele Nebencharaktere zu Wort kommen und gibt so eine enorme Menge an Sichtweisen auf die aktuelle Situation der Jugendlichen. Man lernt nach und nach viele einzelne Schicksale fernab der 3 Protagonisten kennen und erst in diesem Stadium der Geschichte wird einem die Tragweite der bestehenden Gesetze so richtig bewusst. Damit wird auch klar, dass der Autor an jedes winzige Detail gedacht zu haben scheint. Die Komplexität der Gedanken, die Verflechtungen mit unserer Welt und die vielen verschiedenen Sichtweisen auf die Geschichte hatten es mir sofort angetan und auch bis zum Ende, welches ich noch einmal wirklich toll fand, konnte mich der Autor überzeugen. Ein weiteres Plus waren die Zitate am Anfang der jeweiligen Teile, denn dies ergab immer wieder einen „Aha“-Effekt während des Lesens. Toll!


Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein und gerade dieser Faktor bringt der Geschichte einen ungemeinen Zugewinn. Es zeigt die verschiedenen Facetten und die Tragweite der bestehenden Gesetze. Connor lernt man zuerst kennen, er scheint auf den ersten Blick ein normales „Teenieleben“ in einer völlig normalen Familie zu führen. Er ist ein wenig aufbrausender als nötig wäre und verbringt gerne Zeit mit seiner Freundin. Doch etwas in diesem Bild ist fehlerhaft, bald darauf ist er auf der Flucht. Sein Starrsinn, sein Mut und die zeitweise Unkontrolliertheit bringen ihn nicht selten in kuriose Situationen. Ziemlich oft war ich sogar genervt von seinen Wutausbrüchen und „Neandertaler-Anwandlungen“. Doch er besitzt durchaus Feingefühl, welches zwar nur selten hindurch schimmert, aber wenn, nützt es nicht nur ihm etwas. Er war mir nicht der sympathischste Charakter, dennoch konnte ich mit der Zeit und durch seinen Humor auch ihm etwas abgewinnen. Vor allem im Zusammenspiel mit Risa hat er mir wirklich gut gefallen. Sie ist ein Mädchen aus dem Waisenhaus, scheint talentiert und musikalisch begabt zu sein. Man könnte sie durchaus als artiges und zielstrebiges Mädchen sehen, die keinerlei Ärger bringt. Doch Durchschnitt ist nicht erwünscht, es gibt zu viele und sie wird langsam zu alt. Perfekt um dem Staat einen sinnvolleren Nutzen zu bringen. Risa mochte ich sofort, sie ist witzig, zielstrebig und nicht auf den Mund gefallen. Ihre Situation empfand ich der Realität am nächsten. Sie hat Niemandem, sie bedeutet Niemandem etwas und sie bringt keinen Nutzen, außer dem Staat auf der Tasche zu liegen. Connor's Situation hingegen war für mich die grausamste. Dann wäre da noch Lev, der mir von Anfang an gehörig auf den Geist ging und gerade deshalb ein absoluter Zugewinn war. Derart von sich selbst überzeugt und der Richtigkeit der Sache vollkommen ergeben, hat er stets einen großen Mund und ist dennoch ein Feigling der Sonderklasse. Seine Situation scheint ihm vorerst nichts auszumachen, er wurde aber auch lebenslang einer Gehirnwäsche unterzogen. Seine Entwicklung ist definitiv die interessanteste. Auch auftauchende Nebencharaktere konnten mich wirklich oft beeindrucken. Einer ist mir vor allem zum Ende hin besonders in Erinnerung geblieben: Roland! Aber dies solltet ihr lieber selbst erleben.
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Mit „Vollendet“ hat der Autor eine Geschichte erschaffen, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Sie ist vor allem grausam, zeigt tiefe Abgründe der Menschheit und regt absolut zum Nachdenken an. Das Schlimmste an alldem ist, dass wir von manchen Begebenheiten nicht weit entfernt sind, es fehlen nur die nötigen Gesetze dazu. Neal Shusterman hat es mühelos geschafft mich an die Seiten zu fesseln und auch über das Lesen hinaus zu begeistern gleichermaßen aber zu entsetzen. Genau dieser Zwiespalt macht den Auftakt der Reihe zu einem erstklassigen Leseerlebnis.
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Schreibstil
Personen
Geschichte
Emotionen    
Originalität

Kommentare:

  1. Na toll, schon wieder eine Rezi, die mich dazu zwingt, dieses Buch zu lesen :D Danke für deine Meinung! Ich sollte langsam mal ernsthaft überlegen, ob ich nicht einfach zu dem Buch greifen sollte...
    LG
    Julia

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  2. Hallo Becca,

    nach diesen schönen Zeilen hatte ich jetzt wirklich eine Gänsehaut. Bei mir ist das Buch jetzt schon eine ganze Weile her. Auch ich war zeitweise schockiert, die Geschichte kann einem richtig nah gehen. Auf jeden Fall wieder einmal eine wunderschöne Rezension zu einem klasse Buch!

    Liebe Grüße

    Kay

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