>Rezension< Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis


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Autor: Antonia Michaelis

Gebundene Ausgabe: 446 Seiten

Verlag: Oetinger; Auflage: 1 (Februar 2011)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3789142891

ISBN-13: 978-3789142895

Zielgruppe: Leser ab 14 Jahren

Preis: 16,95 €

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Unnahbar, Distanziert, Geheimnisvoll – Abel Tannatek der Außenseiter der Schule. Über ihn wird oft geredet. Er kommt zu spät, schwänzt, verpasst wichtige Klausuren und verbringt viel Zeit allein auf dem Schulhof. Doch die 17-jährige Anna sieht mehr in ihm als den einsamen Drogendealer. Als sie ihn besser kennen lernt, erhascht sie den Blick auf einen völlig anderen Menschen, voller Sanftmut und Traurigkeit. Sie sieht hinter die Mauer voller Vorurteile und taucht mit ihm in eine Welt ein, die wenig Raum für Glückseligkeit lässt. Doch Abel hat einen Weg für sich und seine Schwester gefunden der Realität zu entfliehen. Er erzählt ein berührendes Märchen. Als Anna erkennt, das Fakt und Fiktion nicht weit voneinander entfernt sind, zeigt sich die grausame Wirklichkeit und sie beginnt zu zweifeln…
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Dieses Buch war mehr oder weniger ein Spontankauf, ich hatte schon tausendmal davon gehört, mindestens genauso oft das tolle Cover bestaunt und auch der Inhalt hat mir sofort zugesagt. Ganz plötzlich wurde dann die Thrillertante in mir wach und schon war es gekauft.

Der Schreibstil ist so umfassend genial, dass es mir gleich auf den ersten Seiten den Atem raubte. Die Autorin offenbart die Schönheit der Worte in jeder Zeile. Ich konnte gar nicht ablassen von der Stärke der Worte, die mich umsäuselten und immer tiefer in ihren Bann rissen. Jede Seite barg eine gewisse Tiefe und Schwere, die die Grundstimmung auf eine Weise trägt, dass es einen als Leser den Boden unter den Füßen wegzieht. Frau Michaelis drückt sich keineswegs einfach aus, ihre Sätze weisen oft Überlänge auf und fließen wie ein kühler Strom durch die Gedanken. Die Grundstimmung wird damit perfekt getragen und diese erdrückende Last beinahe ein Teil von einem selbst. Selten konnte mich ein Buch schon allein durch den Stil derart überzeugen.

Die Geschichte ist mindestens genauso genial, dennoch grausam und schwer. Gleich zu Anfang wird man in eine undurchsichtige Situation geworfen, man erkennt schnell die kalte Brutalität und dennoch sieht man alles wie durch Nebel. Man glaubt zu wissen, was man beobachtet und doch tappt man nahezu im Dunkeln. Dieser aufrührerische Prolog ist der beste Einstieg, den ich mir vorstellen kann. Er ist typisch für Thriller und trifft so bei mir einen Nerv. Augenblicklich waren meine Sinne geschärft und ich war vermeintlich bereit für eine großartige Geschichte. Was dann kam, hatte ich trotzdem nicht erwartet, es war völlig anders als alles, was ich bisher kannte. Ich war so gefesselt von den Geschehnissen, dass mir die Last an manchen Stellen zu schwer wurde und ich kurz innehielt, um bald darauf wie im Rausch erneut einzutauchen in diese kalte, erdrückende Realität von Anna und Abel. Es war nicht nur unglaublich spannend die Entwicklung der Geschehnisse zu beobachten und über die Beweggründe der Personen nachzudenken, nein, es war vor allem auch schockierend und diffizil. Ich war über manche Wendungen derart entsetzt, dass ich mir der Botschaft der Dinge kaum noch sicher war. Das das Leben für einige Menschen nichts Gutes bereithält und die Realität in manchen Kreisen ein Kreislauf aus Gewalt und Hass ist, war mir nicht fremd. Es gibt genug Elend auf dieser Welt, dennoch war meine heile Welt teilweise erschüttert und ich musste einen schweren Kloß hinunterschlucken. Hätte diese Geschichte ausschließlich aus dieser grausamen Brutalität bestanden, wäre der wunderschöne Stil der Autorin in der Dunkelheit verschwunden und nahezu zur Unkenntlichkeit verblasst. Doch inmitten dieser gnadenlosen Härte wurde etwas Wunderbares erschaffen. Die Geschichte in der Geschichte ist ein Märchen, welches Abel für seine Schwester Micha erzählt. Es ist so voller Botschaften, Warnungen und Wahrheit, dass ich oft über die Genialität der Worte stolperte und bei näherem Hinsehen in wahre Begeisterungsströme ausbrach. Allein die Idee ist grandios. Alles Fiktive in diesem Märchen trägt der Protagonist Abel vor dem Hintergrund der Realität. Es gibt jedes Wesen in seiner Geschichte auch wirklich und die Handlungen weichen vermeintlich wenig von den tatsächlichen ab. Es ist jedoch so unübersichtlich und kompliziert mit der Realität verwoben, dass man immer wieder überrascht ist. Man hätte so vieles eigentlich kommen sehen müssen, dennoch blieb einem der Blick auf die wirklichen Begebenheiten verborgen. Auch hier fühlte ich mich oft wie hinter einer Nebelwand, man sieht Umrisse und ahnt auf was man blickt und doch kann alles auch ganz anders sein. Wie in einem Thriller so üblich, ist man auf der Suche nach dem kaltblütigen Mörder und an vielen Stellen war ich mir so sicher, doch dann verschwimmt alles wieder zu einem Farbklumpen und lässt nichts als Ratlosigkeit zurück. Das Ende war wie erwartet und doch völlig anders, ich wusste es die ganze Zeit und dennoch lag mein Fokus auf etwas anderem. Ich war geschockt, entsetzt, traurig und ein klein wenig auch froh, dass es zu Ende ist. Denn am Ende blieben mir nur noch meine Gedanken, die um unsere Welt sausten und deren Hässlichkeit in all ihrer Pracht.

Die Personen sind in vielerlei Hinsicht perfekt gelungen. Anna, das schüchterne und freundliche Mädchen von nebenan, wohlbehütet aufgewachsen, eine gute Schülerin und oft in ihrer eigenen Welt unterwegs. Sie sieht sich selbst in einer Blase und was die anderen Schüler über sie denken ist ihr, bis auf wenige Ausnahmen, egal. Eine unauffälliger Tagträumerin, die jedem mit Verständnis gegenübertritt und nicht ahnt, was diese große, bunte Welt noch für sie bereithält. Ihre Gedankenwelt offenbart uns allerdings noch viel mehr. Gerade als Abel in ihr Leben tritt wird diese verworren, traurig und für mich persönlich auch oft undurchsichtig. Ihre Beweggründe waren mir nicht immer schlüssig und vieles konnte ich so auch nicht gutheißen. Doch da ist der Punkt, als Außenstehender kann man so manche Handlungsweisen nicht nachvollziehen und in Anna’s Fall sind viele Emotionen im Spiel, was die Sache in keinem Fall leichter macht. Der Geschichte hingegen verleiht es noch zusätzliche Authentizität.

Abel lernt man sehr distanziert, verschlossen und vor allem über eine brodelnde Gerüchteküche kennen. Man gewinnt zu Anfang daher einen gewissen Abstand von ihm. Anna, die ohne Vorurteile an die Sache heran geht und eine gewisse Faszination empfindet, weckt später an ihm Seiten, die man vorher nur erahnen konnte. Abel zeigt oft lichte und schöne Momente, die ihn aus seiner Härte ausbrechen lassen. Man kann kaum ahnen, was in diesem jungen Mann vorgeht, je mehr ich ihn und sein Leben zu Gesicht bekam, desto schwerer wurde mir das Herz. Er blieb bis zum Schluss irgendwie ein Rätsel, wenngleich er in manchen Teilen der Geschichte, der Ehrlichste von allen war. 
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Eine erdrückend traurige Geschichte mit viel Tiefe und noch mehr Überraschungen. Die Einzigartigkeit des Schreibstils spiegelt die Stimmung der Geschichte in jeder Zeile wieder und diese starken, schönen Worte werden zu etwas verwoben, was mir zeitweise den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Selten vermag es ein Autor mich allein über den Schreibstil in einen derartigen Sog zu ziehen. Dieses Buch ist mit Sicherheit nichts für jedermann, mich konnte es aber absolut begeistern und verblüffen, jedoch genauso belasten und nachdenklich stimmen.
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Schreibstil
Personen
Geschichte
Emotionen    
Originalität




Lieblingsbuchstatus

Kommentare:

  1. Hallo Becci,
    Mensch, was habe ich damals beim Märchenerzähler gelitten! So sehr, dass ich unbedingt etwas dazu schreiben musste, obwohl ich das Buch eigentlich "nur für mich" lesen wollte. Der Stil ist der Wahnsinn und ich kann dir von Antonia Michaelis unbedingt "Solange die Nachtigall" singt empfehlen (falls du es noch nicht gelesen hast). Die Story ist zwar komplett anders, aber du wirst den Stil gleich wiedererkennen. Ich fand beide Bücher sehr genial <3
    LG,
    Damaris

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    1. Hallo Damaris :)
      Jaaa man kann gar nicht nichts dazu schreiben, aber es ist mir tatsächlich recht schwer gefallen DAS in Worte zu fassen. Es hat mich auch noch unglaublich lange beschäftigt. :O Es ist mein erstes Buch von Antonia Michaelis und es werden mit großer Sicherheit noch weitere Folgen, deinen Tipp werde ich gleich beherzigen. Danke! :)

      Liebe Grüße Becci :)

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  2. Absoluter Lieblingsbuchstatus! Kann mich deinen wunderschönen Worten nur anschließen. Definitiv ein Buch, dass gelesen werden sollte. Von jedem :)
    <3

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    1. Es soll ja Leute geben, die das gar nicht mögen. :O xD
      Danke! :)

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  3. Ein sehr schönes fazit dem ich absolut zustimme. Für mich ist "der Märchenerzähler" wirklich eines der besten und ergreifendsten Bücher, die ich je gelesen habe.
    War es Dein erstes Buch von A. Michaelis?
    LG Ela

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    1. Jaaa wirklich! Es ist sooo unglaublich toll, man kann es kaum in Worte fassen. :)
      Es ist mein erstes Buch von Frau Michaelis, aber ganz sicher nicht das Letzte.

      LG Becci

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    2. Also absolut empfehlen kann ich Dir zb. "Die Worte der weissen Königin" und "Paradies für alle" :)
      "Solange die Nachtigall singt" war auch ok, fand ich aber nicht so dolle wie die anderen beiden :)
      Sag mal kann ich Deinen Blog auch per email abonnieren oder geht das nur über RSS?

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    3. Die merke ich mir...vielen Dank!!!
      Siehst du rechts die Diamanten, wo Facebook und Co drauf ist, da ist ganz unten ein kleiner Brief, damit kannst du mir per Mail folgen. :)
      Ganz liebe Grüße :)

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  4. Wirklich ganz wunderbar in Worte gefasst und ich kann Damaris nur zustimmen! Solange die Nachtigall singt hat mir auch total gefallen!! <333
    Und die Robbe - ein Traum! <3 xD

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    1. Warum nur will ich dich dauernd hauen? :/ xD Das ist keine Robbe, sondern ein Seelöwe...

      Aber Danke^^ (Hast du sie nochmal gelesen? xD)

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    2. Das wusste ich natürlich, wollte dich nur testen! xD

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  5. Mir hat das Buch auch unglaublich gut gefallen

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  6. Hey :)
    Wirklich eine tolle Rezi! Mir ging es beim Lesen ähnlich wie dir, teilweise ist das Buch echt schwere Kost gewesen. Aber ich liebe den Schreibstil der Autorin und ärgere mich, dass ich es vertauscht habe xD (selbst wenn ich es kein zweites Mal lesen würde)
    Liebe Grüße,
    Ebru

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  7. Hallo Becci,

    allein die Emotionen in der Rezension hauen einem ja schon fast die Beine weg! Mal wieder eine grandiose Beschreibung einer wirklich tollen Geschichte :-)

    Liebste Grüße

    Kay

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  8. Hallihallo :D
    Wow, ich habe ja schon viel gutes über das Buch gehört (eigentlich gar nichts schlechtes) und ich muss sagen deine Rezi ist schon ziemlich überzeugend.. ich sollte dieses Buch auch endlich lesen o:

    Liebst, Lotta

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  9. Eine sehr, sehr schöne Rezension! :)
    Ich kann dir in allen Punkten zustimmen und ich musste sogar beim Lesen deiner Rezi ein paar Mal.tief schlucken. Auch wenn es jetzt schon ein Jahr her ist, erinnere ich mich noch sehr gut an die Handlung und die Charaktere. Das schaffen nicht viele Bücher. Freut mich, dass es dir genauso gut gefallen hat, wie mir ♥

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  10. Wow Herzchen, was für eine bewegende Rezension, bin echt geplättet, wie so oft <3 <3 <3

    Am Freitag habe ich das Buch günstig (komplett eingeschweißt, aber ein anderes Cover) kaufen können, also werde ich es sicher irgendwann lesen :D

    dickes Kussi <3

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