>Rezension< Gespalten von Nils Tauber

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Autor: Nils Tauber

Broschiert: 149 Seiten

Verlag: Monsenstein und Vannerdat (25. September 2013)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3869919876

ISBN-13: 978-3869919874


Preis: 9,95 €


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Wenn ich wüsste, was ich nur tun muss, damit sich ein Mädel wie du in mich verliebt, dann würde ich es tun.
 Diese verzweifelten Worte richtet Nils Tauber an Marie, die er von Kindesbeinen an liebt. Sie entscheidet sich gegen ihn, wie so viele in seinem jahrelangen Kampf um Liebe und Anerkennung.

1982 kommt Nils mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zur Welt. Mit einem halben Jahr hat er zwei Operationen hinter sich. Die Spalte ist geschlossen, sein Leidensweg beginnt.


Tägliche Hänseleien in Schule und Umfeld prägen seinen Charakter. Minderwertigkeitsgefühle, Einsamkeit, Schmerz und Ängste führen ihn zu Alkohol und Drogen. Im Extremsport sucht er Bestätigung. Letztlich scheitert er in Schule und Studium. Die weitverbreitete Gesellschaftsdroge Alkohol wird zum Teufelskreis. Dann begegnet ihm Yaelle. 

Quelle *klick*

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Es kommt absolut selten vor, dass ich Rezensionsanfragen von Büchern annehme, die mich auf den ersten Blick nicht ansprechen. In diesem Fall, bin ich froh, dass die sympathische Art des Autors und die sehr persönliche Anfrage mich dazu gebracht haben es zu lesen.
Und es ist diesmal sogar eher schwierig eine normale "Rezension" zu schreiben, also gehe ich mal einen etwas anderen Weg. Ich bewerte nicht, denn das wäre hier unangemessen, sondern erzähle euch vielmehr, was ich beim Lesen gefühlt habe und welche Gedanken mir dazu kamen.

Der Beginn des Buches hat mich erst einmal geschockt. Der Schreibstil wirkte unausgereift, richtiggehend abgehackt und viele Wortwiederholungen brachten mich zum Zweifeln. Mein Lesefluss kam überhaupt nicht ins Rollen und ich tat mich sehr schwer mit den Schilderungen des Autors rund um sein Leben warm zu werden. Selbst der rote Faden schien absolut nicht vorhanden zu sein, doch dann klappte ich das Buch kurz zu, besann mich darauf, dass es eine Lebensgeschichte ist und ein realer, fühlender Mensch dahinter steht.
Ich bin wohl oft zu sehr in meinem Fantasygenre vertieft, als das ich mich für Derartiges öffnen konnte. Kaum hatte ich sozusagen meine „Reset-Taste“ betätigt, zeigte sich mir der Autor als das Kind, was er in diesem Teil des Buches war. Plötzlich fing alles an einen Sinn zu ergeben, die Art des Schreibens verband sich mit der jeweiligen Thematik und Alterstufe. Das fiel mir auch sehr viel später kurz vor Ende noch einmal deutlich auf. Der Schreibstil wird mit seinem Autor und damit auch der Hauptfigur des Buches „erwachsen“. Anfangs unbeholfen, sehr verschüchtert und stets auf Abwehrhaltung tröpfelten die Worte abgehackt durch das Buch, doch je mehr Erlebnisse und bezeichnende Abschnitte in seinem Leben Einkehr hielten, desto bedeutsamer und weicher wurde die Wortführung.

Nicht selten musste ich schwer Schlucken, weil Nils Tauber eine Sicht auf die Welt bekommen hat, die man als „Normaler“ vielleicht nicht erhascht. Schnell geriet ich ins Kreuzfeuer meiner eigenen Gedanken, denn auch ich erkannte mich in einigen Situationen wieder als das nicht so tolerante Kind oder den lästernden Teenie. Es ist beängstigend, wie schnell man ein Urteil über Menschen fällt, die äußerlich nicht dem vermeintlichen Ideal entsprechen. Doch das wirklich wichtige ist doch der Kern. Was nützt schon eine schöne Hülle, wenn das Innere einfach schrecklich hässlich ist? Toleranz und Akzeptanz sind zwei schwierige Begriffe in unserer Gesellschaft, da man selbst sich meist auf einem schmalen Grad befindet. Es liegt in unsere Natur auch Oberflächlichkeiten zu betrachten und danach zu urteilen. So sehr man sich auch anstrengt diese Dinge muss man lernen. Kinder sind meist zwar unverbraucht und ehrlich, aber genau das macht sie auch grausam. So gilt es, wie Nils Tauber in seinem wunderbaren Nachwort sagt, sich als Eltern vor Augen zu führen, dass die eigenen Kinder zu schätzen lernen, was es bedeutet mit anderen Menschen gut und fair umzugehen. Im Endeffekt sind wir doch alle gleich. Wir sind alles Menschen, die sich tief im Herzen nach Liebe, Geborgenheit und Wertschätzung sehnen. Ohne ein soziales Gefüge und Mitmenschen, die einem das Leben erst lebenswert machen, wären wir alle nichts. Wir sind definitiv "Herdentiere" und so sollte es jedem Einzelnen von uns etwas Wert sein die Herde mit all ihren Glieder zu schützen. Der Autor beschreibt auch die vielen Situationen in denen ihn Worte sehr verletzt haben und sein Leben maßgebend beeinflussten. Auch hier fand ich mich oft auf der Gegenseite wieder, denn man sagt schnell Dinge, die gar nicht so gemeint waren, das Gegenüber vielleicht sogar einfach falsch aufgefasst hat. So schräg wie einem der Schnabel auch gewachsen sein mag, die richtigen Worte an richtiger Stelle zu finden ist auch ein großer Lernprozess, der wohl niemals im Leben ein Ende findet. Man sollte sich selbst immer vor Augen führen, was ein einziges Wort kaputt machen kann, denn wie wir alle wissen, sind Worte mächtig. Zu nahezu jeder Zeit hatte ich das Gefühl, dass mir jemand viele wichtige Geheimnisse anvertraut. Dinge, die sonst keiner kennt. Das mochte ich an diesem Buch wahnsinnig gern. Für jeden zugänglich und dennoch so absolut ehrlich und persönlich, dass ich nach dem Lesen in eine kleine „Grübelkrise“ geriet. Gerade das Thema Glaube und "vom richtigen Weg" abkommen schwirren nun in meinem Kopf herum. Manchmal benötigt man eine komplett andere Sicht auf die Dinge, um von seinem eigenen Tunnelblick loszukommen. Ich denke, ich werde noch eine Weile mit Nils Tauber’s ganz persönlicher Lebens- und auch teilweise Leidensgeschichte im Kopf umher laufen. In diesem Buch findet man so viele Erlebnisse und Begebenheiten, wie sie Millionen von Menschen nahezu täglich passieren und dazu muss man nicht mal ein Handicap haben. Die Behinderung des Autors steht auch nicht ständig im Vordergrund, sie ist bezeichnend und zieht sich logischerweise durch sein ganzes Leben und somit das Buch, dennoch passieren ihm viele Dinge, die jedem von uns widerfahren könnten. Er legt wahnsinnig toll dar, wie es jeder schaffen kann, seinen Weg zu finden und dabei ist man meist seines eigenen Glückes Schmied. Ich bin wirklich berührt davon, dass ich an dieser Lebensgeschichte teilhaben durfte und freue mich noch immer über die tiefsinnigen Worte, die Nils Tauber vor allem am Ende gefunden hat. Es zeigt nicht nur, dass er mit seinem schwierigen Start und vielen falschen Abzweigungen doch angekommen ist im Leben, sondern auch, dass es sich lohnt zu kämpfen und auf die Menschen zu zählen, die immer für einen da sind. In guten wie in schlechten Tagen. An dieser Stelle habe selbst ich in meinem relativ wohlbehütetem Leben den Drang, all meine Liebsten zu umarmen und ihnen zu Danken, dass es sie gibt und sie mich immer ertragen haben und es noch viele Jahre tun werden. Jeder Mensch ist so individuell und doch ist es uns allen auf irgendeine Weise vergönnt geliebt zu werden. Die Liebe ist so Facettenreich, dass eigentlich jeder Einzelne von uns darin ersticken könnte, nur sind wir oft blind oder abgelenkt von dem was andere für uns bereit halten.

Abschließend bleibt noch zu sagen, ich bewundere Nils Tauber aus tiefstem Herzen. Es gehört sehr viel Mut und Willensstärke dazu, eine derart persönliche und emotionale Sache an die Öffentlichkeit zu bringen und das in vielen auch unangenehmen Details. Sein ganzes Leben mit all dem Schmerz, den Demütigungen und auch den ganzen positiven Gefühlen auszubreiten und einer großen Masse zur Verfügung zu stellen, hat nichts als absoluten Respekt verdient. Ich hoffe, dass es viele Menschen lesen werden und Betroffene daraus Stärke gewinnen. Jeder sollte sich diese Geschichte zu Herzen nehmen.

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Nils Tauber’s Biografie spricht viele vermeintliche Tabuthemen auf eine Art und Weise an, die sehr einprägsam ist. Er erzählt alles so natürlich und ehrlich, dass man sich persönlich angesprochen fühlt und man glaubt einen Schatz hüten zu müssen. Inmitten eines sehr umgangssprachlichen und auch etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstils, erheben sich schließlich Normen und Werte, die jeder von uns kennen und schätzen sollte. Sein Leben war nicht immer einfach und doch ist er das beste Beispiel dafür, dass man aus Fehlern lernen kann. Wer persönliche Schicksale mit viel Tiefgang und Substanz und schließlich sogar einer kleinen Moral mag, der wird dieses Buch verschlingen.

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Ich habe das "gebrochene" Herz gewählt, weil ich sehr oft in diesem Buch an Faust denken musste und dem berühmten Zitat "Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust..." Dieses Herz soll mehr oder weniger die zwei Seiten der Medaille zeigen, denn nicht nur Nils Tauber's Gesicht war einst Gespalten, sondern auch er in vielen Situationen seines Lebens. In der Brust sitzt das Herz und so soll es kein gebrochenes Herz darstellen, sondern ein gespaltenes.
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Eine Bewertung fällt mir, wie bereits erwähnt, an dieser Stelle schwer, denn hier kann es kein „Gut“ oder „Schlecht“ geben. Wie könnte man auch eine derartige Lebensgeschichte schlecht finden? So kann ich nur das Buch im ganzen Aufbau und der Umsetzung bewerten, daher lasse ich natürlich die Unterpunkte weg und vergebe 4 Punkte, ganz einfach, weil es mir ab und an ein wenig zu unstrukturiert war und die Wortwiederholungen gerade am Anfang meinen Lesefluss erheblich störten.

Kommentare:

  1. Sehr berührende Rezension mein Herz, die einen definitiv nachdenklich stimmt.

    Es gehört auf jeden Fall eine menge Mut dazu, seine Gefühle der Welt/ völlig Fremden zu offenbaren, Respekt an den Autor.

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  2. Wow, das hört sich echt berührend an!

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  3. Oft lese ich Rezensionen, ganz selten kommentiere ich sie. Heute mache ich mal eine Ausnahme. Wieso?

    Weil ich noch viel schöner als den Inhalt des Buches den Prozess finde, wie du, liebe Becci, ihn dir erschlossen hast. Alles redet im Leben immer von der zweiten Chance, bei den ganz großen Dingen und auch den kleinen. Aber wenn es dann wirklich mal darum geht, die „Reset-Taste“ zu drücken, bietet uns das Leben meist einen einfacheren Weg. Es freut mich für dich, dass du dieser Versuchung widerstanden hast und mit ein paar sehr emotionalen Lesestunden belohnt wurdest.

    Liebe Grüße
    Michael

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  4. Eine sehr schöne E
    Sehr schöne Rezension, bin ja eigentlich eher hier weil ich schauen wollte nach deinem Blog, weil du dich bei mir gemeldet hast und lese ich hier eine Rezension zum Buch war bald bei mir als Leserunde kommt, da kann man ja gar nicht anders als reinlesen :-)
    Toll gemacht!

    Liebe Grüße
    Katja von Ka-Sas Buchfinder


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