>Rezension< Lost Land von Jonathan Maberry

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Originaltitel: Rot & Ruin

Autor: Jonathan Maberry

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten

Verlag: Thienemann Verlag; Auflage: 1. (27. September 2012)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3522201515

ISBN-13: 978-3522201513

Zielgruppe: Leser zwischen 13 und 16 Jahren

Preis: 16,95 €



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Eine Katastrophe, deren Ursache niemand kennt.
Eine Enklave, in der sich die letzten Überlebenden verschanzt haben.
Ein riesiges Niemandsland, das von Untoten bevölkert wird.
Zwei Brüder, die einander Feind sind.
Ein junges Mädchen, das den einen bewundert und den anderen liebt.

Menschen, die von Freiheit und Zukunft träumen.
In einer Welt, die zerstört ist.

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Zombies – die lebenden Toten oder auch Untote genannt, begleiten mich schon mehrere Jahre in Form von unzähligen Filmen. Auch Dokumentationen und Mythen habe ich anschauen „müssen“. Die meisten Filme zielen auf primitives Abschlachten und wenig Geschichte ab, der Grundtenor ist stets unheilvoll und die endzeitliche Stimmung hat mich dann doch meist in ihren Bann gezogen, so dass ich nicht mehr nur aus Solidarität zu meinem Mann derartige Szenarien angeschaut habe. ;)
Nun habe ich mit Lost Land meine Premiere in der „Zombieliteratur“ gelesen und bin durchaus angetan, sogar auf eine Art und Weise begeistert, die ich in dieser Form nun wirklich nicht vermutet hätte. Dieses erste Buch einer Trilogie von Jonathan Maberry birgt eine unglaublich tolle Story mit sehr viel Tiefe und nicht nur Stoff aus dem Alpträume gemacht werden, sondern auch zum Nachdenken.

Der Schreibstil ist sehr locker und jugendlich. Ich habe direkt den 15-jährigen Benny vor Augen gehabt, wie er dieses unverblümte Gehabe eines Halbstarken an den Tag legt. Nicht selten musste ich über derartige Ausdrücke lachen, die sehr gut auch in den heutigen Jugendjargon passen. Die Dialoge zwischen ihm und seinem Bruder Tom waren ein absolutes Highlight für mich. Es war einerseits erfrischend anders und auflockernd, anderseits konnte es perfekt diese unheilvolle, angsterfüllte und scheinbar ausweglose Stimmung hervorheben. Der Autor hat in dieser Hinsicht den Schreibstil an die Entwicklung der Protagonisten bzw. speziell an Benny Imura’s Entwicklung angepasst.

Die Geschichte ist völlig anders, als ich erwartet hatte. Ich habe mit einer dieser typischen Filmstorys gerechnet á la Zombieland oder Dawn of the Dead. Weit gefehlt, hier tut sich etwas völlig anderes auf, was mich nicht selten innehalten lies und wirklich zum Nachdenken brachte. Die Zombies werden zwar typisch beschreiben – seelenlos, ohne Verstand, langsam, schlurfend, gierig nach lebendigem Fleisch etc., aber die konkrete „Hauptbedrohnung“ sind sie nicht (mehr). Das mag allerdings daran liegen, dass der Ausbruch der „Zombieseuche“ schon 14 Jahre zurück liegt und die Menschen sich rings um das Leichenland eine Art neue Zivilisation aufgebaut haben. So lernt man in den ersten Seiten das Leben kennen, dass die Menschen inmitten von Zäunen führen und vehement versuchen die lebenden Toten einfach auszublenden. Man erfährt hier und da Dinge über die Nacht des Ausbruchs, die in den meisten, mir bekannten Filmen thematisiert wird. Umso gebannter bin ich den Lauf der Geschichte gefolgt und habe mich regelrecht hinein gelebt und gedacht. Die Beweggründe der Menschen für ihr Verhalten waren höchst interessant geschildert und es gab so viele Arten der Verarbeitung bzw. mit der Situation umzugehen. Einfach grandios und ein Hauch gesellschaftskritisch.
Benny ist gerade 15 geworden und muss sich somit einen Job suchen, da er nicht wirklich fündig wird und sein Bruder Tom ein erfolgreicher Zombiejäger ist, entscheidet er sich nach langem Weigern dazu bei ihm in die Ausbildung zu gehen. Mit diesem Schritt beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit und ein skrupelloser Kampf um Leben und Tod. Und dabei sind nicht die Zombies die größte Gefahr, sondern die Menschen selbst. Auch an dieser Stelle hat der Autor viel Wahrheit für unsere aktuelle gesellschaftliche Lage eingebaut. Wir brauchen keine Zombies um kaltblütige Mörder zu sein und hirnlose Taten zu verüben. Nicht umsonst hat der Mensch keine natürlichen Feinde - nur sich selbst.
Die letzten Seiten waren so spannungsgeladen, blutig, kämpferisch, rasant und gespickt von Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Eine hat mich ganz besonders aufatmen lassen, aber das solltet ihr lieber selbst lesen. ;)

Die Personen sind sehr authentisch und gut gelungen. Allerdings hatte ich zu Anfang ein Problem mit Benny. Ein aufmüpfiger Halbstarker, der vom Leben außerhalb der Stadt Mountainside keine wirkliche Ahnung hat, geht großspurig durchs Leben und hasst seinen einzigen Verwandten, der ihm noch geblieben ist, wegen zusammen gesponnener Halbwahrheiten. Er benimmt sich einfach so derart daneben, dass es mich an ein Kleinkind mitten in der Trotzphase erinnert hat. Das hatte auch nahezu nichts mehr mit Teeniealter und Pubertät zu tun, er ist einfach ein bockiges Kind, was seinen Willen nicht bekommt und sich deshalb schreiend auf den Boden wirft. Eine absolute Nervensäge. Der Grund, warum er seinen Bruder verachtet und für einen Feigling hält, liegt so viele Jahre zurück, dass er sich gar nicht der Wahrheit sicher sein kann, die er glaubt mit eigenen Augen gesehen zu haben. Er hat zudem keinen blassen Schimmer von dem Job, den sein großer Bruder ausführt und das auch noch sehr erfolgreich. Selbst das Ansehen und die Achtung, die seinem Bruder Tom von allen entgegen gebracht wird, scheint er einfach auszublenden und bewundert lieber mit gehirnamputiertem Grinsen ein paar Kopfgeldjäger, die der ganzen Stadt von ihren grausamen Schlachttouren erzählen. Spätestens da konnte ich nur noch den Kopf über ihn schütteln. Doch er macht eine wahnsinnig tolle Entwicklung durch, die ihn mir dann doch sehr sympathisch gemacht hat. Er lernt nun die wirkliche Welt kennen und auch seinen Bruder, er nimmt sich einige von Tom’s Eigenschaften an und entwickelt viel Stärke, Willenskraft, Mut und Durchhaltevermögen. Sein Sinn für Gerechtigkeit wächst in einem unaufhaltsamen Drang, die zu bestrafen, die in vollem Wissen das Leben anderer Menschen gefährden und nehmen. Er lernt Würde, Achtung und ein hohes Maß an Menschlichkeit kennen und schätzen. Er wird definitiv erwachsen und zerbricht nicht an den Geschehnissen, sondern geht gestärkt und entschlossen daraus hervor.
Tom hingegen war mir sofort super sympathisch. Er weiß um die negativen Gefühle von seinem Bruder, die er ihm gegenüber hegt. Doch er hat eine Engelgeduld, eine unbändige Stärke, ist ein genialer und geübter Kämpfer, zudem scheinbar furchtlos, vergisst jedoch nie die wahren Werte, hat ein wahnsinnig großes Herz, ist intelligent, gewieft, entschlossen, zögert keine Sekunde und handelt so tiefgründig und emotional, dass ich nicht selten sehr gerührt war. Schon allein die Art und Weise, wie er Benny versucht an seine Tätigkeit heranzuführen ist genial. Er ist unsagbar selbstlos, dass er so lange Zeit damit lebt, dass sein kleiner Bruder glaubt er, Tom Imura, wäre Schuld am Tod seiner Eltern und gleichzeitig erweist er so vielen (lebenden) Toten auf eine wunderbare Weise die letzte Ehre. Er gibt sich dafür in Gefahren, die Mal um Mal seinen Tod bedeuten könnten und nicht nur das, die Art wie er es „regelt“, würde mir ein Stück meines Herzens nehmen. Man könnte daran so leicht zerbrechen und das tut er in gewisser Weise auch, aber sein Maß an Selbstlosigkeit und dieser tolle Gerechtigkeitssinn, außerdem die Werte und Normen der Menschlichkeit, die er vehement vertritt, trägt er so fest verankert, dass er den Schutzschild besitzt, der ihm an eine bessere Welt glauben lässt, selbst wenn es erst nach seinem Tod geschieht. Ein echter Traummann. ;)
Nix ist eine sehr gute Freundin von Benny, sie ist zwar in ihn verliebt, doch wird dies vorerst nicht erwidert. VORERST, denn da bahnt sich dann doch bald eine süße kleine Lovestory an, die für meinen Geschmack jedoch nicht so gut gelungen ist. Sie wirkt irgendwie fehl am Platz und wenig authentisch. Etwa so: „Wir sind jetzt grad verzweifelt, dann küsse ich dich eben mal und ach es war toll, jetzt liebe ich dich vielleicht doch!“  Da es aber sehr im Hintergrund verläuft, ist es nicht weiter schlimm. Nix selbst war mir sofort sympathisch, sie hat feste Ziele, tolle Ansichten und ist die Erste, die aus Benny ein paar sympathische Charaktereigenschaften hervorkitzelt. Für ihr Alter ist sie sehr intelligent, selbstsicher und weitsichtig. Sie denkt ganzheitlich und hat eine scharfe Logik. Die ist wirklich tough und doch mit einer tiefen Emotionalität durchzogen, was sie weicher und zerbrechlicher wirken lässt. Ein schönes Mädchen mit Ecken und Kanten – perfekt.
Der Bösewicht muss natürlich auch erwähnt werden, da er nicht selten die atemlose Spannung trägt – Rotaugen-Charlie. Schon beim ersten „Treffen“, habe ich tiefe Abscheu empfunden und je mehr die Geschichte fortgeschritten war, desto hasserfüllter waren meine Emotionen. Ich habe innerlich gekocht und war nicht wenige Male absolut fassungslos über solch kaltblütige Skrupellosigkeit ohne jede Reue. Dieses Monster hat definitiv kein Gewissen!!!! Seine Anhänger folgen ihm fast ausschließlich aus Angst und diese ist eine mächtige Waffe.

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Eine unerwartete Story über Zombies und das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Hier erwartet einen kein Horrorszenario, bei dem alle 5 Minuten ein Mensch zerfetzt wird, es ist eher beiläufig gefährlich, unheilvoll, tiefgründig und absolut nicht klischeebehaftet. Außerdem macht der absolut tolle Humor das Buch zu einem echten Must-Read. Die Liebesgeschichte und der „Anfangs-Benny“ lassen allerdings keine Höchstbewertung zu, nicht ganz. Ich bin wirklich wahnsinnig gespannt auf die Fortsetzung. 


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Schreibstil
Personen
Geschichte
Emotionen    
Originalität 


Kommentare:

  1. Wieder ganz toll geschrieben!
    Und ich befürchte, das Trotzalter kommt in der Teeniezeit nochmal :-)

    Glg
    Steffi

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    Antworten
    1. Danke :)
      Also ich war ja auch mal ein Teenie :D und ich finde dieses Verhalten wirklich sehr sehr kindlich. Im Teeniealter ist man doch nicht so oder war ich seltsam? Benny hat mich echt richtig sehr genervt.

      Ich hoffe jetzt schon mal, dass meine Tochter NICHT so wird. :O

      <3

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  2. Wow, eine sehr schöne ausführliche Rezension. Das Buch muss ich mir wohl uch unbedingt mal kaufen! Habe bisher nur gutes darüber gelesen!

    Liebe Grüße
    Vanessa

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